Getarnte Geschichten

 

Povazka Bystrica

"The most significant objekt in Povazka Bystrica is the parking car", eröffnet dir Jaro, der dich für die nächsten drei Nächte bei seiner Familie aufnehmen wird. "If you assure that this won't change, you will be guaranteed to stay major of the town till you die." Er lächelt etwas verbittert und man kann erahnen, wie viel Energie er investiert hat, um verhärtete Strukturen aufzubrechen. Jaro kam vor fünf Jahren aus Prag, um hier mit Iva und ihrem gemeinsamen Sohn zu leben. Er ist überzeugter Fahrradfahrer und versuchte einige Zeit, die Stadtregierung von der Wichtigkeit einer Veränderung bezüglich der örtlichen Infrastruktur zu überzeugen. Vergebens klopfte er an verschlossene Türen. 

"We are now in the center, please make yourself comfortable", sagte er plötzlich und dreht sich im Kreis, als würde er nicht wissen, wohin er sich abwenden solle. Ihr steht an einem Nicht-Ort, umgeben von Parkplätzen und Betonbauten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das historische Zentrum komplett abgerissen und durch sozialistische Bauten ersetzt. Lediglich drei historische Bauten in der gesamten Stadt sind ehalten. Die Kirche, eine Kapelle auf dem Hügel, umringt von Plattenbauten und die örtliche Bibliothek. 

Bis in die 90er Jahre war die Stadt eine bedeutende Produktionsstätte von Waffen und Kugellagern. Diese Tatsache verhalf Povazka Bystrica zu Ansehen und einem gewissen Reichtum. Nach dem Niedergang des Sozialismus schloss die Fabrik, die Arbeitslosenrate schoss in die Höhe und die Jungen wandern kontinuierlich ab. Die Stadt hat eine Erneuerung komplett verschlafen.

2004 wurde die Durchgangsstraße in die Höhe gehoben und eine riesige Brücke läuft nun direkt über Povazka Bystrica. Die vierspurige, verwaiste Schnellstraße reißt ein Schneise durch das Zentrum und darf als das traurige Wahrzeichen der Stadt gesehen werde.

 

 
 

 

SmolníkSchmöllnitzSzomolnok

Vom kleinen Stausee vodná nádrž Úhorná fällt die Straße vier Kilometer hinab und führt direkt in das kleine Dorf Smolnik. Am Dorfeingang stehen zwei verwaiste Holzbauten, die sich von den bisher gesehenen Häusern deutlich unterscheiden. Es ist nicht nur das offensichtlich hohe Alter, vielmehr sind es Größe und Ausführung, die beeindrucken. Später erfährst du, dass diese Hütten Teil einer ehemaligen Holzfabrik waren. 

Auf der Suche nach einem Laden begegnest du einer älteren Dame, die dich unvermittelt in einer dir bekannten Sprache anspricht. Doch es ist kein Deutsch mit Akzent, es ist ein Dialekt, denn sie redet sicher und ohne nach Worten zu suchen. Der Laden sei um die Ecke und übrigens spreche sie mantakisch, eine Mundart der deutschen Sprache, die sich aus den Dialekten der in der Zeit von 14. bis zum 18. Jahrhundert zugewanderten Deutschen, den sog. Saxones, gebildet hat.

Hungrig und komplett verschlafen frühstückst du im Cafè Marianna. Die netten Besitzer Marianna und Otomarerzählen die faszinierende Geschichte der Stadt. Smolník wurde berühmt durch den Bergbau, sowie durch die Tabakfabrik, in welcher bis 2008 Zigarren in Handarbeit hergestellt werden. Sie wurde im Jahre 1872 unter der Herrschaft Maria Theresias gegründet. Die Stadt wurde auch zu einem wichtigen kulturellen Zentrum. Es gab ein Theater mit der ersten drehbaren Bühne Europas. Später wurde es zu einem Kino umgebaut. 

Für mehr Informationen zur Geschichte der Stadt gibt es einen kurzen Dokumentarfilm.

Nach diesen spannenden Geschichten beschließt du, für zwei Tage hier zu bleiben.

Du besucht den Maler Ladislav Škovran, der hier seine Sommer im Atelier verbringt. Allein über ihn würde sich eine eigene Geschichte lohnen.

Mit Marianna und Otomar durchstreifst du die Wälder auf der Suche nach Spuren der goldenen Zeit. 

Smolník ist ein spannender, wunderschöner Ort mit tausenden Geschichten, die du hier niemals alle wiedergeben kannst.